– ALTE ÜBERZEUGUNGEN, BLOCKADEN IM KÖRPER UND TRAUER –
Ich habe gerade – wie sich herausstellte – über vierzig Jahre alte Sätze ausgeweint.
Sehr alte, lange verdrängte Gedanken.
Es ist unglaublich, wie manche Formulierungen, das, was wir einst gefühlt und geglaubt haben, in unseren Zellen jahrzehntelang feststecken können.
Wie sie den Fluss des Lebens blockieren, den Fluss der Energie, den Fluss der Zufriedenheit – ja, sogar den Fluss sexueller Lust.
Ich freue mich, dass ich weine. Dass ich wieder weine. Dass ich erneut weine.
Ich werde so lange weinen, wie es nötig ist und so lange, wie meine vergessene, verdrängte Geschichte sich weiter entfalten will.
Denn jede:r von uns hat eine solche Geschichte – tief in der eigenen Erinnerung gespeichert – individuell, einzigartig.
Lasst diese Sätze fliessen,
lasst dieses Gedächtnis sprechen.
Und lasst uns Zeit geben.
Das ist eine sehr wichtige Zeit:
Zeit für Schmerz, Trauer, Abwaschen, Heilen, Abschliessen.
Und für die Heilung.
Denn es zeigt sich immer wieder, dass neue Bruchstücke der eigenen, verdrängten Geschichte auftauchen.
Weitere Puzzleteile, die jedes Mal neue Phasen des Betrauerns erfordern – des Betrauerns dessen, was zerstört und verloren wurde – oft für Jahre.
Ich betrauere solche Fragmente und Teile seit über 20 Jahren. Denn immer wieder erscheinen neue Teile des Mosaiks meiner Kindheit. Mosaike der Vergangenheit.
Jedes Mal sind sie neue Enthüllungen von etwas sehr Altem, sehr Vergangenem – und doch entscheidend dafür, dass die Zukunft besser werden kann.
Diesen Eintrag widme ich A.
Agata Norek
