– TRAUMA, DER WEG UND DIE WUT –

 
– TRAUMA, DER WEG UND DIE WUT –
 
Jahrelang musste ich durch viele sehr schmerzhafte Prozesse gehen, um zu mir selbst zurückzufinden – zu der Frau, die heute Grenzen setzen, die Zähne zeigen und mit dem Fuss aufstampfen kann, wenn ihr etwas nicht passt. Um „vulgär, aufsässig, frech, wild und UNMENSCHLICH“ zu sein – so hat man mich genannt, als ich ein kleines Kind war, und wofür ich ins Gesicht geschlagen wurde.
 
Ich wurde zu einem Mädchen erzogen, das alles unterdrückte und sich auf tiefster Ebene von seinen eigenen Gefühlen abtrennte. Ich durfte keinen Widerspruch äussern, keinen Schmerz, keine Wut, keinen Zorn zeigen. Mein Verhalten und meine Körpersprache passten sich so an, dass natürliche Reflexe und Instinkte geschluckt wurden – oder gleich kilometerweit hinter mir blieben. Andernfalls war ich in Gefahr.
Meine Gefühle – alles ausser „Anpassung und Bravsein“ – setzten mich der Gewalt beider Eltern aus. Ich lernte: Wenn ich meine Wut zeige, für meine Grenzen kämpfe oder weine, kommt es doppelt so hart zu mir zurück – und ich werde „richtig dafür bezahlen“.
 
Heute bin ich stolz auf mich, weil ich gelernt habe, ich selbst zu sein – ganz, ehrlich und mutig. Mit Stampfen, mit Zähnen, und der Fähigkeit, „zurückzuschlagen“. Was früher unterdrückt wurde, gibt mir heute die Kraft, mich zu verteidigen, wirklich zu handeln – und wirklich zu leben.
 
In den Materialien, die ich jetzt beginne aufzunehmen, werde ich euch in die Etappen, Symbole und die Tiefe dieses wichtigen Prozesses einweihen – meiner jahrelangen, allein geleisteten Arbeit mit einer mächtigen Traumatisierung. Ohne diese tiefgreifende Transformation und die Arbeit mit der eigenen Wunde hätte ich dieses Fühlen, diese Kraft und den Glauben an mich nie zurückgewonnen.
Liebe Grüsse aus Italien – wo ich in immer grösseren Mut hineinwachse – und ein riesiges Danke an meinen Mann und meine Freunden, die mich auf diesem Weg unterstützen.
 
Agata Norek
20.06.205, Verbania, Italien