- AUS PRIVATEN BRIEFEN -

 

- AUS PRIVATEN BRIEFEN -

BRIEF AN I. & M.

 

(An ihn)

Ich habe einfach geweint.

Es kam so sehr von Herzen … – ich hatte das Gefühl, als wolltest du mich nähren. Und dass ich mich darüber freuen sollte.

 

Denn bei meinem Vater – da habe ich mich meiner Bedürfnisse geschämt.

Es war mir peinlich, wenn ich gegessen habe.

Weil das Leben keine Freude bereiten sollte.

 

Meine Mutter war wütend, wenn mich etwas gefreut hat,

besonders, wenn mir etwas Genuss bereitet hat.

 

Ich spüre, dass du ein Mensch bist, bei dem man weiter auftauen kann.

 

Ich erinnere mich nicht, wann Essen auf so einer tiefen körperlichen Ebene mir je so viel Freude bereitet hat wie mit euch. Bei euch habe ich mich sicher gefühlt.

 

(An sie)

 

Und du erinnerst mich an meine geliebte Cousine,

mit der ich eine wunderschöne, aussergewöhnliche Beziehung hatte.

Wir haben oft zusammen geschlafen, bis in die Nacht gequatscht, zusammen gebadet.

 

(An sie beide)

 

Ich weiss nicht, bei wem ich mir je so eine Erlaubnis gegeben habe, Freude am Essen zu empfinden –

vielleicht weil ihr beide das Essen so liebt und schätzt.

 

Und wisst ihr, was ich noch hinausgeschrien habe?

Den Schmerz, den Schrei und die Scham dieses kleinen Kindes.

Dass ich mein ganzes Leben lang Angst hatte, zuzunehmen,

weil man dann sehen würde, dass ich esse.

 

Und jetzt sage ich mir – wenn du nicht isst, wirst du sterben.

Nicht essen ist kein Heroismus – es ist Selbstzerstörung.“

 

Agata

29.09.2025